8. März 2019

„Frauen schreiben für Frauen. Männer für alle“

Heute ist Weltfrauentag, und deswegen geht es hier heute um Frauen. Aber tatsächlich reicht das leider nicht. Weil das Problem ist größer als das: Das Problem ist die generelle Ungleichheit in der Welt, das Diskriminierung wegen Hautfarbe, Sexualität oder Religion (um nur ein paar zu erwähnen) immer noch tagtäglich vorkommt, und das Menschen unter der Dominanz anderer Menschen, Klassen oder Gruppen leiden müssen.

Vielleicht ist es nicht richtig, diese Probleme isoliert zu betrachten, aber ich habe mir das heute mal erlaubt. Es gibt andere Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, die Ungleichheit als Ganzes zu definieren und zu bekämpfen. Eine solche andere ist z.B. Juliane Rump, die Chefredakteurin des Libertine Magazins. Wie sie das macht, steht außerordentlich schön auf ihrer Website, also lasse ich sie das mal selber erklären:

„LIBERTINE zeigt die facettenreiche Welt und die unterschiedlichen Lebensmodelle von Frauen – fernab von eingefahrene Rollenmustern und Stereotypen. Dabei verteilt LIBERTINE weder Etiketten noch erklärt es seinen Leserinnen, wie sie zu sein haben. Stattdessen transportiert LIBERTINE ein Lebensgefühl: Freihen it. Die Freiheit, zu sein wie wir sind, zu leben wie wir es möchten und zu lieben, wen wir wollen.“

Und jetzt zur Sache. Und zwar, wie die Ungleichheit unter den Geschlechtern in den Medien repräsentiert ist

Gibt es zu wenig Frauen in der Literaturbranche?

Ich finde schon und ich denke, da greifen gleich einige Teufelskreise gleichzeitig. Zum einen sitzen in den Feuilletons der großen Zeitungen hauptsächlich Männer – und diese rezensieren wiederum hauptsächlich Werke, die von Männern geschrieben wurden. Womit sie dafür sorgen, dass deren Literatur bekannter werden, was sie natürlich auch bei Verhandlungen mit den Verlagen stärkt und den Vertrag für das nächste Buch sichert.

Zum anderen gibt es eine geschlechterbezogene Voreingenommenheit. So werden Bücher von Frauen gerne als "Frauenliteratur" abgetan und weniger ernst genommen. Leider sind sich einige Literaturkritiker nicht zu schade, dieses Vorurteil und Schubladendenken zu zementieren. So von wegen: Frauen schreiben für Frauen. Männer für alle. Dies alles spiegelt sich auch in der Vergabe der Literaturpreise, Arbeitsstipendien und der Honorare wieder; so herrscht nach wie vor ein großes Gefälle zwischen Männern und Frauen, was die Dominanz der männlichen Autoren festigt.

80 Prozent der Mitarbeitern an Verlagen sind Frauen, aber in Top-Positionen gibt es nur vier Prozent? Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Was den Mangel an weiblichen Führungskräfte in den Verlagen betrifft, ist es hier wohl in so vielen Bereichen: Männer sitzen in den Machtpositionen und fördern am liebsten ihresgleichen, nämlich Männer. Da bewegt sich von alleine leider nicht viel. Deswegen bin ich ein Fan von der Quote - solange bis sie nicht mehr notwendig ist.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Wir alle sind bereits seit unserer Kindheit von Literatur von Männern umgeben, der viel Bedeutung beigemessen wurde. Das geht schon in der Schule los: Ob im Deutsch-, Philosophie- oder Geschichtsunterricht, zum Großteil waren es die Werke männlicher Autoren, mit denen wir uns beschäftig haben. Natürlich würde ich mir wünschen, dass Eltern fordern, dass in Schulen nicht nur so einseitig Literatur ausgewählt wird, dass Journalist*innen möglichst viele Bücher von Frauen rezensieren und damit sichtbar machen, und dass die Verlage begreifen, dass es so viel mehr spannende Blickwinkel als die immer gleiche männliche Erzählperspektive gibt.

Wer ist deine Lieblingsautorin?
Oh da gibt es so viele und ständig kommen neue dazu. Anstatt mich jetzt auf eine festzulegen, nutze ich die Frage lieber, um etwas Werbung für meine feministischen Kolleginnen zu machen: Julia Korbik, Svenja Gräfen, Jessa Crispin und natürlich Magarete Stokowski. Alle lesen.

8. März 2019

„Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung“

Ich setze mich seit langem mit Themen rund um Feminismus, Gleichheit, Diskriminierung und Sexismus auseinander – auch schon lange bevor ich wusste, dass ich mal Verlegerin sein würde. Für mich war es so: Als ich anfing nachzugucken, sah ich plötzlich doppelt so viele Probleme wie davor. Es ging um Sachen, die nicht sofort deutlich wurden, aber ab dem Moment wo ich sie gesehen hatte, konnte ich nicht wieder wegschauen.

Um mehr Gleichheit in der Gesellschaft zu bekommen – da bin ich mir sicher – werden mehr Frauen in Führungspositionen gebraucht. Leider bin ich auch davon überzeugt, dass wir es selber schaffen müssen – es wird uns niemand helfen. Deswegen bin ich auf die Frauen aufmerksam, die versuchen das zu ändern. So eine Frau ist Christiane Frohmann, die u.A. einen Verlag unter eigenem Namen führt. Oder auch Frau Frohmann, wie sie auf Twitter heißt, und wo ich oft und gern mitlese, wenn sie klug und witzig über die Probleme der Welt schreibt. Deswegen habe ich sie gefragt, wie die Buchbranche sich zukünftig verbessern kann.

Christiane Frohmann ist VerlegerinAutorinund Mitgründerin von ORBANISM

Gibt es zu wenige Frauen in der Literaturbranche?

Es gibt sehr viele Frauen in der Literaturbranche, aber viel zu wenige in Schlüsselpositionen. Dies ändert sich gerade ein bisschen, aber nicht etwa, weil die klassische Branche sich deutlich wandeln würde, sondern weil viele Frauen eigene Verlage gründen, neue Strukturen und Netzwerke bilden. DIY heißt die Losung und Lösung, seit man gemerkt hat, dass man nicht ewig warten kann.

80 Prozent der Verlagsmitarbeiter sind Frauen – in Top-Positionen gibt es trotzdem nur vier Prozent. Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Es werden Vielfalts-Quoten in Unternehmen, Jurys und bei Stipendien benötigt, also Quoten, die nicht nur cis-Frauen berücksichtigen, sondern repräsentieren, wie die Gesellschaft sich real zusammensetzt.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Gleichstellung und Feminismus sind vor allem marketingrelevante Themen geworden, in den Strukturen sehe ich noch nicht so viel Veränderung. Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung aller Verantwortlichen, damit sie #umsehenlernen.

Wer ist deine Lieblingsautorin? 

Das ändert sich immer mal wieder, aber seit einer Weile Audre Lorde, weil sie mir wirklich die Augen geöffnet hat.

8. März 2019

„Wenn sich Lesegewohnheiten verändern, wandelt sich auch die Gesellschaft mit“

Wir sprechen mit Emilia von Senger, darüber wie sie die Wirklichkeit als Buchhändlerin der Berliner Lesen und lesen lassen Buchhandlung erlebt.

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6. März 2019

Die Frauen der Literaturbranche

Im Rahmen des Weltfrauentags 2019 setzt der Nord Verlag mit Hilfe von ein paar Kolleginnen Fokus auf die Gleichstellung der Literaturbranche.

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Kopenhagen, 2020

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