2. Juli 2019Keine Kommentare

“Ich lese nie Krimis” — Interview bei Besser Nord Als Nie

Skandinavische Bücher sind in Deutschland sehr beliebt. Was glaubst du, woran das liegt? 
Ein riesiges Marketingbudget! Skandinavien hat es geschafft, die Gesellschaftsmodelle und Lebensweisen so gut zu verkaufen, dass gefühlt alles gut ankommt, wenn es aus dem Norden ist.

Wie hat sich die Literaturlandschaft in Skandinavien entwickelt? Und wieso sind nordische Literatur überhaupt so populär in Deutschland? Besser Nord Als Nie hat Fragen gestellt, Camilla Zuleger antwortet.

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2. Juli 2019Keine Kommentare

„Mein Verlag ist mein kleiner Protest“ — Interview bei edition f

Der „Nord Verlag” verlegt junge skandinavische Autor*innen für das deutschsprachige Publikum. Es gibt einen eigenen Webshop, ein liebevoll bespieltes Instagram-Profil und eine Gründerin, die es schafft, ihre Liebe für Bücher weiterzugeben. Wir haben mit Camilla Zuleger über das Verlegen mit deutschen bürokratischen Hürden, die Arbeit eines kleinen Verlages und großartige skandinavische Autorinnen gesprochen.

Camilla Zuleger hat mit edition f über die Liebe zu Büchern, das Besondere an den nordischen Ländern, und den Verlag als kleiner Protest gegen der „Hygge“-Hype.

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16. April 2019Keine Kommentare

Im Verlagsbüro #3

Gleich ist Ostern, und das heißt für uns, dass es endlich Zeit gibt, um durch die lange Liste an Sachen zu gehen, die gelesen, gehört oder gesehen werden müssen. Hier teilen wir ein paar Highlights für den Kurzurlaub.
 

The Island von Tove Jansson

Ein Leben ohne die fabelhaften Werke und Welten von Tove Jansson lässt sich kaum vorstellen. In diesem Essay im Paris Review schreibt sie über Inseln und schafft eine überraschend perfekte Kombination aus Heim- und Fernweh. 

Nichts Immer

Der dänische Dichter Caspar Eric ist jetzt auch Musiker, seine neue Band heißt Intet Altid (etwa Nichts Immer) und die ersten beiden Songs der Kopenhagener klingen schon mal vielversprechend.

Poesieapotheke

Das Lyrik gut für die Gesundheit ist, ist uns schon lange klar. Jetzt ist es auch Realität. In Bishop’s Castle in England hat neulich eine Poesieapotheke aufgemacht. 

Liv Strömquist

Liv Strömquist ist einfach genial. Und ihr wisst, dass wir Recht haben, falls ihr schon "Der Ursprung der Welt” gelesen habt. Falls nicht, könnt ihr mit diesem kurzen Video bei Arte anfangen.

21. März 2019Keine Kommentare

Poesie – größer als nie zuvor?

Das die ersten Bücher unseres Programm Lyrik sind, ist ein Fakt, der so gut, wie schlecht ist. Ich liebe Lyrik, und das Genre erlebt gerade ein gewisses Momentum im Norden. Die jungen Autoren schreiben viel und gern Poesie, und gerade dort gibt es auch die meisten sprachlichen und literarischen Experimente, und deswegen habe ich mich für zwei Gedichtbände entschieden. 

Wir brauchen mehr Poesie im Alltag – und genau dieses Genre passt zu unserer Zeit. Wir haben es alle eilig, und werden ständig mit Informationen, Bildern, Werbungen, und Texten bombardiert. Ein ganzes Buch zu lesen, es gar fertig zu lesen, kann für viele – mich selbst inklusive – als eine große Herausforderung erscheinen. Weil: Wo findet man heute noch die Zeit und die Konzentration dafür? 

Und deswegen sage ich: Lyrik sollte die größte Literatur unserer Zeit sein. Nicht nur wegen ihrer literarischen Qualitäten, sondern auch weil die kurze Form, mehr Literatur in den Alltag bringt. Ein Gedicht jeden Tag, ist ein deutlich einfacheres Ziel, als einen Roman die Woche oder im Monat. 

Positives Beispiel? 2017 war ein Rekordjahr für den Verkauf von Poesie in Großbritannien. Mehr als eine Million Poesiebänder wurden verkauft! Das sind gute Neuheiten für Verlage und Autoren. 

Aber (und es gibt immer ein aber!) Lyrik hat es trotzdem noch schwierig. Und, wie ich glaube, weil das Genre noch etwas gefährlich und unzugänglich wirkt. Viele Buchhandlungen in Deutschland haben erst gar keine Lyrikabteilung, und ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die fast abschalteten, als ich das Wort Poesie zur Beschreibung unseres Programms benutzte. Aber Lyrik reimt sich nicht mehr nur auf  Goethe, Schiller und die anderen alten Romantiker. Heute reimt Lyrik sich auf Wut, Politik und Gefühle im Aufruhr. Das sind alles Sachen, die wir heute mehr als je zuvor nötig haben. 

Also, trau dich! Es wird keine Analyse wie in der Schulzeit gefordert werden. Versuch’ dich mal an Poesie und spür wie es deine Emotionen weckt. Sollte es nicht gleich beim ersten Mal funktionieren, heißt das nicht, dass es passieren wird. Lyrik hat seine eigene Sprache, an die man sich in manchen Situationen erst gewöhnen muss. Lies langsam, lies unterschiedlich, und hab keine Angst, wenn du was du nicht sofort verstehst. Ich verspreche dir: Es lohnt sich. 

Und abschließend und weil heute Welttag der Poesie ist, gebe ich euch eine kostenlose Leseprobe aus Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin von Ingvild LotheLest sie hier

8. März 2019Keine Kommentare

„Frauen schreiben für Frauen. Männer für alle“

Heute ist Weltfrauentag, und deswegen geht es hier heute um Frauen. Aber tatsächlich reicht das leider nicht. Weil das Problem ist größer als das: Das Problem ist die generelle Ungleichheit in der Welt, das Diskriminierung wegen Hautfarbe, Sexualität oder Religion (um nur ein paar zu erwähnen) immer noch tagtäglich vorkommt, und das Menschen unter der Dominanz anderer Menschen, Klassen oder Gruppen leiden müssen.

Vielleicht ist es nicht richtig, diese Probleme isoliert zu betrachten, aber ich habe mir das heute mal erlaubt. Es gibt andere Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, die Ungleichheit als Ganzes zu definieren und zu bekämpfen. Eine solche andere ist z.B. Juliane Rump, die Chefredakteurin des Libertine Magazins. Wie sie das macht, steht außerordentlich schön auf ihrer Website, also lasse ich sie das mal selber erklären:

„LIBERTINE zeigt die facettenreiche Welt und die unterschiedlichen Lebensmodelle von Frauen – fernab von eingefahrene Rollenmustern und Stereotypen. Dabei verteilt LIBERTINE weder Etiketten noch erklärt es seinen Leserinnen, wie sie zu sein haben. Stattdessen transportiert LIBERTINE ein Lebensgefühl: Freihen it. Die Freiheit, zu sein wie wir sind, zu leben wie wir es möchten und zu lieben, wen wir wollen.“

Und jetzt zur Sache. Und zwar, wie die Ungleichheit unter den Geschlechtern in den Medien repräsentiert ist

Gibt es zu wenig Frauen in der Literaturbranche?

Ich finde schon und ich denke, da greifen gleich einige Teufelskreise gleichzeitig. Zum einen sitzen in den Feuilletons der großen Zeitungen hauptsächlich Männer – und diese rezensieren wiederum hauptsächlich Werke, die von Männern geschrieben wurden. Womit sie dafür sorgen, dass deren Literatur bekannter werden, was sie natürlich auch bei Verhandlungen mit den Verlagen stärkt und den Vertrag für das nächste Buch sichert.

Zum anderen gibt es eine geschlechterbezogene Voreingenommenheit. So werden Bücher von Frauen gerne als "Frauenliteratur" abgetan und weniger ernst genommen. Leider sind sich einige Literaturkritiker nicht zu schade, dieses Vorurteil und Schubladendenken zu zementieren. So von wegen: Frauen schreiben für Frauen. Männer für alle. Dies alles spiegelt sich auch in der Vergabe der Literaturpreise, Arbeitsstipendien und der Honorare wieder; so herrscht nach wie vor ein großes Gefälle zwischen Männern und Frauen, was die Dominanz der männlichen Autoren festigt.

80 Prozent der Mitarbeitern an Verlagen sind Frauen, aber in Top-Positionen gibt es nur vier Prozent? Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Was den Mangel an weiblichen Führungskräfte in den Verlagen betrifft, ist es hier wohl in so vielen Bereichen: Männer sitzen in den Machtpositionen und fördern am liebsten ihresgleichen, nämlich Männer. Da bewegt sich von alleine leider nicht viel. Deswegen bin ich ein Fan von der Quote - solange bis sie nicht mehr notwendig ist.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Wir alle sind bereits seit unserer Kindheit von Literatur von Männern umgeben, der viel Bedeutung beigemessen wurde. Das geht schon in der Schule los: Ob im Deutsch-, Philosophie- oder Geschichtsunterricht, zum Großteil waren es die Werke männlicher Autoren, mit denen wir uns beschäftig haben. Natürlich würde ich mir wünschen, dass Eltern fordern, dass in Schulen nicht nur so einseitig Literatur ausgewählt wird, dass Journalist*innen möglichst viele Bücher von Frauen rezensieren und damit sichtbar machen, und dass die Verlage begreifen, dass es so viel mehr spannende Blickwinkel als die immer gleiche männliche Erzählperspektive gibt.

Wer ist deine Lieblingsautorin?
Oh da gibt es so viele und ständig kommen neue dazu. Anstatt mich jetzt auf eine festzulegen, nutze ich die Frage lieber, um etwas Werbung für meine feministischen Kolleginnen zu machen: Julia Korbik, Svenja Gräfen, Jessa Crispin und natürlich Magarete Stokowski. Alle lesen.

8. März 2019Keine Kommentare

„Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung“

Ich setze mich seit langem mit Themen rund um Feminismus, Gleichheit, Diskriminierung und Sexismus auseinander – auch schon lange bevor ich wusste, dass ich mal Verlegerin sein würde. Für mich war es so: Als ich anfing nachzugucken, sah ich plötzlich doppelt so viele Probleme wie davor. Es ging um Sachen, die nicht sofort deutlich wurden, aber ab dem Moment wo ich sie gesehen hatte, konnte ich nicht wieder wegschauen.

Um mehr Gleichheit in der Gesellschaft zu bekommen – da bin ich mir sicher – werden mehr Frauen in Führungspositionen gebraucht. Leider bin ich auch davon überzeugt, dass wir es selber schaffen müssen – es wird uns niemand helfen. Deswegen bin ich auf die Frauen aufmerksam, die versuchen das zu ändern. So eine Frau ist Christiane Frohmann, die u.A. einen Verlag unter eigenem Namen führt. Oder auch Frau Frohmann, wie sie auf Twitter heißt, und wo ich oft und gern mitlese, wenn sie klug und witzig über die Probleme der Welt schreibt. Deswegen habe ich sie gefragt, wie die Buchbranche sich zukünftig verbessern kann.

Christiane Frohmann ist VerlegerinAutorinund Mitgründerin von ORBANISM

Gibt es zu wenige Frauen in der Literaturbranche?

Es gibt sehr viele Frauen in der Literaturbranche, aber viel zu wenige in Schlüsselpositionen. Dies ändert sich gerade ein bisschen, aber nicht etwa, weil die klassische Branche sich deutlich wandeln würde, sondern weil viele Frauen eigene Verlage gründen, neue Strukturen und Netzwerke bilden. DIY heißt die Losung und Lösung, seit man gemerkt hat, dass man nicht ewig warten kann.

80 Prozent der Verlagsmitarbeiter sind Frauen – in Top-Positionen gibt es trotzdem nur vier Prozent. Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Es werden Vielfalts-Quoten in Unternehmen, Jurys und bei Stipendien benötigt, also Quoten, die nicht nur cis-Frauen berücksichtigen, sondern repräsentieren, wie die Gesellschaft sich real zusammensetzt.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Gleichstellung und Feminismus sind vor allem marketingrelevante Themen geworden, in den Strukturen sehe ich noch nicht so viel Veränderung. Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung aller Verantwortlichen, damit sie #umsehenlernen.

Wer ist deine Lieblingsautorin? 

Das ändert sich immer mal wieder, aber seit einer Weile Audre Lorde, weil sie mir wirklich die Augen geöffnet hat.

8. März 2019Keine Kommentare

„Wenn sich Lesegewohnheiten verändern, wandelt sich auch die Gesellschaft mit“

Wir sprechen mit Emilia von Senger, darüber wie sie die Wirklichkeit als Buchhändlerin der Berliner Lesen und lesen lassen Buchhandlung erlebt.

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6. März 20191 Kommentar

Die Frauen der Literaturbranche

Im Rahmen des Weltfrauentags 2019 setzt der Nord Verlag mit Hilfe von ein paar Kolleginnen Fokus auf die Gleichstellung der Literaturbranche.

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2. März 2019Keine Kommentare

„Das Manifest“ von Petra-Leonie Pichler

Aus Jeder One Night Stand ist ein bilaterales Handelsabkommen von Petra-Leonie Pichler.

2. DAS MANIFEST

1. Mein eigener Frieden verpflichtet mich dazu, Unfrieden zu stiften.

2. Oft wird die Wahrheit von Menschen als Provokation empfunden.

3. Im Umkehrschluss ist Provokation aber keine Wahrheit.

4. Mein Schreiben ist ein Ankämpfen gegen eine viel größere Ohnmacht.

5. Mein Handeln in der Welt empfinde ich als permanente Niederlage.

6. Ich habe mich trotzdem entschieden, als handelnder Mensch in dieser Welt zu agieren.

7. Ich weiß, dass ich mich damit angreifbar mache, aber ich sehe keine andere Möglichkeit.

8. Ich will nicht neutral, harsch oder gefallsüchtig sein. Ich will freundlich sein und dabei sagen, was ich denke.

9. Ich habe eine Verpflichtung meinem Talent gegenüber.

10. Ich habe mich innerlich verpflichtet, meine Begabung für die Kunst und den nie aufhörenden Kampf um die Definition des Menschseins einzusetzen.

11. Ich werde nie aufhören, an das Gute im Menschen zu glauben.

12. Ich kann mich nicht mit banalen Kämpfen aufhalten.

13. Ich suche bestmögliche Schaffensumstände für meine Tätigkeiten. Dazu gehören Freiheit, Freundschaften, Systeme, Reichweite und Mittel.

14. Ich treffe Entscheidungen, um Handlungsspielräume zu gewinnen.

15. Ich habe sehr viel Mut in mir, aber mit dem Wort Mut kann ich nichts anfangen.

16. Ich nenne es Vertrauen, Größenwahn oder Naivität.

17. Ich lebe mit dem Wissen, dass ich nie eine Aufgabe komplett erfüllen kann, weil ich immer erst hineinwachsen muss. Alle anderen Aufgaben erfüllen mich nicht.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

19. Ich kann nicht lügen, weil ich sonst nachts nicht schlafen kann.

20. Ich fühle mich einer Sache verpflichtet, die ich selber nicht klar benennen kann.

21. Ich bin bereit, Unsicherheit zu zelebrieren.

22. Ich bin immer wieder überrascht, wie frei ich wirklich bin und sein muss.

23. Ich kann Verantwortung für die Kunst übernehmen. In allen anderen Bereichen tue ich mir schwer.

24. Ich glaube, dass ich mich noch mehr in die unsichtbare Welt begeben muss.

25. Wenn ich wüsste, wer ich ich bin, müsste ich nicht schreiben.

26. Ich halte mich für sehr normal, weil ich die Diskrepanz zwischen meinem Wahnsinn und meinem Funktionieren in der Welt kenne.

27. Ich merke, dass ich immer mehr Macht entwickle.

28. Ich liebe Menschen, die sich nicht in vorgefertigten Bahnen bewegen. Bei Planeten ist das etwas anderes.

29. Ich fürchte mich vor Menschen, die Macht und Stereotype reproduzieren.

30. Ich befürchte, dass uns unser Intellekt wirklich vor gar nichts schützt.

31. Ich glaube, dass in der Meditation eine große Kraft liegt, die wir im Zwischenmenschlichen viel öfter einsetzen sollten.

32. Ich habe nie verstanden, was Glück bedeutet, aber wenn ich schreibe, nähere ich mich diesem Gefühl an.

33. Ich glaube, dass man die Sehnsucht nach Anerkennung nur überwinden kann, wenn man sie hat.

34. Ich verehre die Liebe als große Kraft, aber wir zwängen sie immer wieder in Formen, vor denen sie fliehen muss.

35. Ich kämpfe.

36. Kämpfst du mit mir?

26. Februar 2019Keine Kommentare

Nord Verlag in der Lettrétage

Freitagabend am 22. Februar hatten wir das große Vergnügen einen Abend in der Lettrétage zu veranstalten. Mit der wunderschönen Maria-Christina Piwowarski von den neugegründeten blauschwarzberlin als Moderatorin, verbrachten wir zusammen mit vielen und neugierigen Gästen einen Abend im Zeichen der nordischen Literatur und des Nord Verlages.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die vorbeigekommen sind, zugehört und danach sogar getanzt haben. Es war ein unvergesslicher Abend. Danke natürlich auch an Ingvild, Victor und Übersetzer Lars.

Ein besonderen Dank geht an Norla, die Ingvild Lothes Reise nach Berlin finanziell unterstützt haben.

Alle Fotos von Medine Duvarci