Ich setze mich seit langem mit Themen rund um Feminismus, Gleichheit, Diskriminierung und Sexismus auseinander – auch schon lange bevor ich wusste, dass ich mal Verlegerin sein würde. Für mich war es so: Als ich anfing nachzugucken, sah ich plötzlich doppelt so viele Probleme wie davor. Es ging um Sachen, die nicht sofort deutlich wurden, aber ab dem Moment wo ich sie gesehen hatte, konnte ich nicht wieder wegschauen.

Um mehr Gleichheit in der Gesellschaft zu bekommen – da bin ich mir sicher – werden mehr Frauen in Führungspositionen gebraucht. Leider bin ich auch davon überzeugt, dass wir es selber schaffen müssen – es wird uns niemand helfen. Deswegen bin ich auf die Frauen aufmerksam, die versuchen das zu ändern. So eine Frau ist Christiane Frohmann, die u.A. einen Verlag unter eigenem Namen führt. Oder auch Frau Frohmann, wie sie auf Twitter heißt, und wo ich oft und gern mitlese, wenn sie klug und witzig über die Probleme der Welt schreibt. Deswegen habe ich sie gefragt, wie die Buchbranche sich zukünftig verbessern kann.

Christiane Frohmann ist VerlegerinAutorinund Mitgründerin von ORBANISM

Gibt es zu wenige Frauen in der Literaturbranche?

Es gibt sehr viele Frauen in der Literaturbranche, aber viel zu wenige in Schlüsselpositionen. Dies ändert sich gerade ein bisschen, aber nicht etwa, weil die klassische Branche sich deutlich wandeln würde, sondern weil viele Frauen eigene Verlage gründen, neue Strukturen und Netzwerke bilden. DIY heißt die Losung und Lösung, seit man gemerkt hat, dass man nicht ewig warten kann.

80 Prozent der Verlagsmitarbeiter sind Frauen – in Top-Positionen gibt es trotzdem nur vier Prozent. Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Es werden Vielfalts-Quoten in Unternehmen, Jurys und bei Stipendien benötigt, also Quoten, die nicht nur cis-Frauen berücksichtigen, sondern repräsentieren, wie die Gesellschaft sich real zusammensetzt.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Gleichstellung und Feminismus sind vor allem marketingrelevante Themen geworden, in den Strukturen sehe ich noch nicht so viel Veränderung. Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung aller Verantwortlichen, damit sie #umsehenlernen.

Wer ist deine Lieblingsautorin? 

Das ändert sich immer mal wieder, aber seit einer Weile Audre Lorde, weil sie mir wirklich die Augen geöffnet hat.