Die Krise des Buchhandels, der Verlage und der Literatur wird überall besprochen. Zuletzt ging es im Berliner Tagespiegel um die Barsortimente die Titel aussortieren. Aber die Romantik des Buchmarkts, dass es nicht mehr so sei, wie damals, bringt uns nicht weiter. Deshalb träume ich nicht von dem Buchmarkt, den es mal gab, sondern von dem, der immer noch in der Entwicklung ist.

Bücher sind eine uralte Kunstform. Und obwohl sie sich tausendmal entwickelt hat – wie man druckt, die Farbe, das Papier, die Typographie – gibt es Sachen für uns Buchliebhaber, die sich nie ändern werden, bzw. nicht ändern dürfen. Wenn wir einfach zurückkehren könnten, zu den guten alten Zeiten, als alle Menschen noch Bücher lasen und sie im lokalen Buchhandel kauften, dann wäre das unsere Rettung. Weil das Leben vom Büchermachen- oder verkaufen, nicht mehr so einfach ist.

Früher war einfach mehr Lametta. Jetzt gibt’s Internet, Streaming, Social Media und das romantische Bild ist trübe geworden. Im Berliner Tagesspiegel hieß es mitte Dezember, dass die Barsortimente an den geringeren Umsätzen der Verlage schuld seien, weil sie Titel aussortieren. Als kleiner Verlag ist man super abhängig davon, dass Bücher liefer- oder bestellbar sind, aber das Problem ist, dass es heutzutage nicht ausreichend ist, dass ein Buch lieferbar ist, es muss auch quick n’ easy sein, weil jeder Aufwand als große Barriere gesehen wird.

Ich kenne das Problem mit der Zugänglichkeit von Büchern nur zu gut. Als minikleiner Verlag, der in keinem Fall ökonomisch sinnvoll ist, weiß ich, wie schwierig es ist in den Handel zu kommen. Aber mir ist auch bewusst, dass der alte klassische Weg nicht die Zukunft ist. Wir brauchen einen anderen Markt, und das bedarf, dass sich nicht nur Buchkäufer, sondern alle, vom Autor bis zu Amazon, verändern. Wir müssen einen neuen Pfad betreten, und das dauert. Es ist aufwendig, und vielleicht klappt es nicht, aber eines ist sicher: Wenn wir nichts machen, können wir auch jetzt gleich aufgeben.

So wie neugierige Backpackerinnen von heute die Reiseagentur nicht vermissen, weil alles direkt für sie zugänglich ist, so könnte es auch mit Büchern werden. Dies ist kein Plädoyer für die Internetgiganten, die Millionen und Millionen Bücher verkaufen, sondern für den Buchladen der sich was traut. Als kleiner Verlag ist man auf die Distributionsweise der Großen angewiesen. Sprich: Andere haben für mich Rabatte mit den Buchhandlung verhandelt. Aber wieso akzeptieren wir einen Buchmarkt, in dem die große Ketten weniger pro Buch zahlen müssen als die kleine lokale Buchhandlung, in der Bücher mit Herz und Hand vermittelt werden? Wieso haben wir eine Entwicklung zugelassen, in der ein Buch nach drei Monaten als (zu) alt bezeichnet wird? Das Streben (von allen Seiten!) nach Neuem, treibt uns alle in den Ruin. Nicht nur finanziell, sondern auch kulturell. Weil die Sache mit Büchern war wohl schon immer – und soll auch weiterhin so bleiben – dass sie immer aktuell sind. Für Leserinnen macht es kaum einen Unterschied, wann das Buch erschienen ist, solange es gut ist. Und wenn die Aktualität oder die „Haltbarkeit“ eines Buches sich verlängert, dann hätten wir da schon einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen.

Wir müssen akzeptieren, dass Märkte sich verändern. Aber wir müssen auch bald einsehen, dass wir selber ein Teil der Entwicklung sind. Wir können Sachen verändern. Aber nur wenn wir wollen. Ich träume nicht von der Welt und dem Buchmarkt von gestern, sondern von einem, den es noch nicht gibt.