Worte von Gestern #5: Das Drama in Schweden

von Camilla Zuleger

Um jetzt ganz ehrlich zu sein, habe ich nur darauf gewartet: Der große Skandal in der Literatur in Schweden. Jean-Claude Arnault, der mit der anerkannten Autorin Katarina Frostenson verheiratet ist, war lange eine Schlüsselfigur in der schwedischen Kulturszene – positive wie negative. Dass es ein #Metoo brauchte, um die Leichen aus dem Keller zu holen, war überraschend, aber noch überraschender war, was folgte. Nämlich ein Nobel-Komitee, in dem Frostenson seit 1992 den Stuhl Nummer 18 innehatte, das auseinander fällt. Seit der Skandal um Korruption und sexuelle Belästigung ans Licht kam, haben mehrere Mitglieder ihren Sitzplatz verlassen. Es hat das Komitee ziemlich gelähmt, und seine Zukunft ist momentan unsicher.

Konsequenter Folgegedanke: Brauchen wir den Nobelpreis noch? Oder wurde seine Bedeutung in den letzten Jahren nicht immer weiter verwässert, weil wir uns in der Welt nicht mehr an Hand von Fixpunkten orientieren, sondern entlang einer selbstgebastelter Collage? Das Fundament unter dem Konventionellen und Traditionellen wackelt, aber die Frage ist, ob das nicht auch eine gute Sache sein oder werden könnte? Wenn du genau wissen willst, was gerade in Schweden passiert, wo niemand geringeres als der schwedische König entscheiden wird, wohin die Reise gehen wird, kann ich diesen Artikel empfehlen.

Wir bleiben noch ein bisschen in Schweden, aber auf der fröhlichen Seite. Schon lange habe ich ein Auge darauf, was im Genre Graphic Novels passiert, und hier ist Liv Strömquist eine zentrale Figur. Jetzt ist ihr zweiten Werk auf Deutsch bei Avant-Verlag erschienen, Der Ursprung der Liebe, und auf dem Blog Litaffin, das ich sehr gerne lese, hat Angie Martins sich mit Inna Barinberg über das Buch unterhalten. Ein sehr spannendes Gespräch, das perfekt für den Sonntagskaffe ist.

Wenn Victor Boy Lindholm nicht seine eigene Bücher und Essays schreibt, übersetzt er auch gerne welche. Als letztes die Weltsensation Citizen von Claudia Rankine, für die er, zusammen mit Benjamin Nehammer, an der dänischen Version gearbeitet hat. Ich habe es schon vor ein paar Jahren gelesen, als es erstmals erschien, aber die dänische Version hat mich zur imponierenden und bezaubernden Welt von Rankine zurück gebracht. Citizen ist auch gerade auf Deutsch bei Spector Books erschienen, in ihrer Serie Volte. Falls du noch nicht von der Sprache und Bilderwelt von Rankine entzückt bist, solltest du dem Buch jetzt eine Chance geben. 

Zu Schluss ein kleinen Spaß aus dem Internet. Ich bin einer diejenigen, die viel zu viel Zeit im Internet verbringen, und mir würden wahrscheinlich ein Detox oder zwei gut tun. Aber manchmal stößt man auf Sachen, für die sich die Zeitverschwendung trotzdem lohnt. Diese Woche habe ich also mehr Zeit, als ich zugeben will mit dem “Buchtitelgenerator” verbracht, der Worte zu Buchtiteln, die es noch nicht gibt, zusammenstellt. “Lustige Schrauben des Wirrkopfes”, “Die Bibliothek ohne Einfälle” oder “Skrupelloses Pferd, südlicher Namen” sind alles Beispiele aus dem automatischen, aber dennoch poetischen Generator. 

Bis nächste Woche!

Camilla