8. März 2019

„Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung“

Ich setze mich seit langem mit Themen rund um Feminismus, Gleichheit, Diskriminierung und Sexismus auseinander – auch schon lange bevor ich wusste, dass ich mal Verlegerin sein würde. Für mich war es so: Als ich anfing nachzugucken, sah ich plötzlich doppelt so viele Probleme wie davor. Es ging um Sachen, die nicht sofort deutlich wurden, aber ab dem Moment wo ich sie gesehen hatte, konnte ich nicht wieder wegschauen.

Um mehr Gleichheit in der Gesellschaft zu bekommen – da bin ich mir sicher – werden mehr Frauen in Führungspositionen gebraucht. Leider bin ich auch davon überzeugt, dass wir es selber schaffen müssen – es wird uns niemand helfen. Deswegen bin ich auf die Frauen aufmerksam, die versuchen das zu ändern. So eine Frau ist Christiane Frohmann, die u.A. einen Verlag unter eigenem Namen führt. Oder auch Frau Frohmann, wie sie auf Twitter heißt, und wo ich oft und gern mitlese, wenn sie klug und witzig über die Probleme der Welt schreibt. Deswegen habe ich sie gefragt, wie die Buchbranche sich zukünftig verbessern kann.

Christiane Frohmann ist VerlegerinAutorinund Mitgründerin von ORBANISM

Gibt es zu wenige Frauen in der Literaturbranche?

Es gibt sehr viele Frauen in der Literaturbranche, aber viel zu wenige in Schlüsselpositionen. Dies ändert sich gerade ein bisschen, aber nicht etwa, weil die klassische Branche sich deutlich wandeln würde, sondern weil viele Frauen eigene Verlage gründen, neue Strukturen und Netzwerke bilden. DIY heißt die Losung und Lösung, seit man gemerkt hat, dass man nicht ewig warten kann.

80 Prozent der Verlagsmitarbeiter sind Frauen – in Top-Positionen gibt es trotzdem nur vier Prozent. Wie können wir das in der Zukunft ändern?

Es werden Vielfalts-Quoten in Unternehmen, Jurys und bei Stipendien benötigt, also Quoten, die nicht nur cis-Frauen berücksichtigen, sondern repräsentieren, wie die Gesellschaft sich real zusammensetzt.

Sprechen wir von Gleichstellung in der Literaturbranche: Sind wir in den letzten Jahren weitergekommen? Und wie erreichen wir das Ziel? 

Gleichstellung und Feminismus sind vor allem marketingrelevante Themen geworden, in den Strukturen sehe ich noch nicht so viel Veränderung. Es braucht eine regelrechte Deprogrammierung aller Verantwortlichen, damit sie #umsehenlernen.

Wer ist deine Lieblingsautorin? 

Das ändert sich immer mal wieder, aber seit einer Weile Audre Lorde, weil sie mir wirklich die Augen geöffnet hat.

8. März 2019

„Wenn sich Lesegewohnheiten verändern, wandelt sich auch die Gesellschaft mit“

Wir sprechen mit Emilia von Senger, darüber wie sie die Wirklichkeit als Buchhändlerin der Berliner Lesen und lesen lassen Buchhandlung erlebt.

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6. März 2019

Die Frauen der Literaturbranche

Im Rahmen des Weltfrauentags 2019 setzt der Nord Verlag mit Hilfe von ein paar Kolleginnen Fokus auf die Gleichstellung der Literaturbranche.

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2. März 2019

„Das Manifest“ von Petra-Leonie Pichler

Aus Jeder One Night Stand ist ein bilaterales Handelsabkommen von Petra-Leonie Pichler.

DAS MANIFEST

1. Mein eigener Frieden verpflichtet mich dazu, Unfrieden zu stiften.

2. Oft wird die Wahrheit von Menschen als Provokation empfunden.

3. Im Umkehrschluss ist Provokation aber keine Wahrheit.

4. Mein Schreiben ist ein Ankämpfen gegen eine viel größere Ohnmacht.

5. Mein Handeln in der Welt empfinde ich als permanente Niederlage.

6. Ich habe mich trotzdem entschieden, als handelnder Mensch in dieser Welt zu agieren.

7. Ich weiß, dass ich mich damit angreifbar mache, aber ich sehe keine andere Möglichkeit.

8. Ich will nicht neutral, harsch oder gefallsüchtig sein. Ich will freundlich sein und dabei sagen, was ich denke.

9. Ich habe eine Verpflichtung meinem Talent gegenüber.

10. Ich habe mich innerlich verpflichtet, meine Begabung für die Kunst und den nie aufhörenden Kampf um die Definition des Menschseins einzusetzen.

11. Ich werde nie aufhören, an das Gute im Menschen zu glauben.

12. Ich kann mich nicht mit banalen Kämpfen aufhalten.

13. Ich suche bestmögliche Schaffensumstände für meine Tätigkeiten. Dazu gehören Freiheit, Freundschaften, Systeme, Reichweite und Mittel.

14. Ich treffe Entscheidungen, um Handlungsspielräume zu gewinnen.

15. Ich habe sehr viel Mut in mir, aber mit dem Wort Mut kann ich nichts anfangen.

16. Ich nenne es Vertrauen, Größenwahn oder Naivität.

17. Ich lebe mit dem Wissen, dass ich nie eine Aufgabe komplett erfüllen kann, weil ich immer erst hineinwachsen muss. Alle anderen Aufgaben erfüllen mich nicht.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

18. Ich habe riesige Angst vor Wiederholung.

19. Ich kann nicht lügen, weil ich sonst nachts nicht schlafen kann.

20. Ich fühle mich einer Sache verpflichtet, die ich selber nicht klar benennen kann.

21. Ich bin bereit, Unsicherheit zu zelebrieren.

22. Ich bin immer wieder überrascht, wie frei ich wirklich bin und sein muss.

23. Ich kann Verantwortung für die Kunst übernehmen. In allen anderen Bereichen tue ich mir schwer.

24. Ich glaube, dass ich mich noch mehr in die unsichtbare Welt begeben muss.

25. Wenn ich wüsste, wer ich ich bin, müsste ich nicht schreiben.

26. Ich halte mich für sehr normal, weil ich die Diskrepanz zwischen meinem Wahnsinn und meinem Funktionieren in der Welt kenne.

27. Ich merke, dass ich immer mehr Macht entwickle.

28. Ich liebe Menschen, die sich nicht in vorgefertigten Bahnen bewegen. Bei Planeten ist das etwas anderes.

29. Ich fürchte mich vor Menschen, die Macht und Stereotype reproduzieren.

30. Ich befürchte, dass uns unser Intellekt wirklich vor gar nichts schützt.

31. Ich glaube, dass in der Meditation eine große Kraft liegt, die wir im Zwischenmenschlichen viel öfter einsetzen sollten.

32. Ich habe nie verstanden, was Glück bedeutet, aber wenn ich schreibe, nähere ich mich diesem Gefühl an.

33. Ich glaube, dass man die Sehnsucht nach Anerkennung nur überwinden kann, wenn man sie hat.

34. Ich verehre die Liebe als große Kraft, aber wir zwängen sie immer wieder in Formen, vor denen sie fliehen muss.

35. Ich kämpfe.

36. Kämpfst du mit mir?

26. Februar 2019

Nord Verlag in der Lettrétage

Freitagabend am 22. Februar hatten wir das große Vergnügen einen Abend in der Lettrétage zu veranstalten. Mit der wunderschönen Maria-Christina Piwowarski von den neugegründeten blauschwarzberlin als Moderatorin, verbrachten wir zusammen mit vielen und neugierigen Gästen einen Abend im Zeichen der nordischen Literatur und des Nord Verlages.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die vorbeigekommen sind, zugehört und danach sogar getanzt haben. Es war ein unvergesslicher Abend. Danke natürlich auch an Ingvild, Victor und Übersetzer Lars.

Ein besonderen Dank geht an Norla, die Ingvild Lothes Reise nach Berlin finanziell unterstützt haben.

Alle Fotos von Medine Duvarci

25. November 2018

Interview bei Wunderbuzz

Die Verlegerin, Camilla Zuleger, hat mit Wunderbuzz.com über Inspiration, Internet und Anfänge gesprochen:

Generally, I think I’ve to a great extent underestimated the business I was getting into. Paper, books, and poetry as my first two books are, is not in any way a lucrative business from day 1, nor is it easy getting fast anywhere. And I think that’s my biggest challenge, the pace of it all. I’m in no way a patient person, and I don’t like waiting for things. I want everything, and I want it now. But still, I consider the fact that I underestimated it a big asset: I’m sure, I would’ve never have done it, had I known what I was getting into, and today, standing in the midst of it with books everywhere in my home, I couldn’t imagine not having done it.

- wunderbuzz.com

Hier kannst du das ganze Interview lesen

25. Juli 2018

Libertine Magazin #7

In der neuen Ausgabe des Libertine Magazins empfiehlt die Redaktion „Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin!“ von Ingvild Lothe. Libertine #7 untersucht das Glück im Norden mit den Fragen: Warum schneiden skandinavische Länder beim World Happiness Report eigentlich immer so gut ab? Hängen Glück und Gleichberechtigung zusammen? Und welche Rolle spielt die Natur?

Glücklich ist das Ich bei Lothe nicht unbedingt – wir aber sehr über die Empfehlung ?

29. Juni 2018

Neugefickt und froh – Interview mit Ingvild Lothe

Ingvild Lothe schreibt über die Verletzbarkeit in einer Zeit, wo Unverletzlichkeit das Ideal ist

Ingvild Lothes Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin?  ist ein Buch über die persönliche Katastrophe, über Depression und darüber, Verletzbarkeit im selben Körper zu tragen, in dem man auch die Erinnerung an das Kind, das man einmal war, hat. Es ist ein verletzliches Ich, eine helle skandinavische Frau, die im Gedichtband spricht, und es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass es die eigene Geschichte Ingvild Lottes ist, die Gegenstand für die künstlerische Bearbeitung war. 

Es sind autobiographische Gedichte, wie es im Norden heißt, mit politischer Wut und einem scharfen und leuchtenden poetischen Blich für die Konsequenzen in einer reichen und guten Gesellschaft aufzuwachsen: Eine Gesellschaft, in der man dachte, Glückseligkeit wäre einfach zu erreichen, aber es sich zeigt, dass es schwierig ist Glück festzuhalten und es wird noch schwierig daran zu glauben –  weil die persönlichen Katastrophen, die Forderung perfekt zu sein, der perfekte Körper und die produktive Gedanken immer größer werden, in einer anscheinend fehlerlosen Gesellschaft. 

Die Gedichte in Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin? haben als Ausgangspunkt die körperliche Erfahrung der Depression, wenn die Angst sich zeigt, wenn die Gesellschaft  zu viel von uns fordert, wenn wir das Gespür für die Grenzen zwischen der psychischen Wirklichkeit und der physischen verlieren. Aber der Körper vergisst nicht, der Körper erinnert und trägt das Erlebnis von Missbrauch und Gewalt mit sich: 

“Ich würde was über die schlechten Erlebnisse in Bezug auf Intimität sagen. Dass können böse, sexuelle Erlebnisse sein, es kann Gewalt sein. Und um weiterzukommen, oder, um wieder zu trocknen, ist der Körper dazu gezwungen, die schlechte Erlebnisse zu vergessen”, sagt Ingvild. 

In den Gedichten von ihr, wird die körperliche Verbindung zur Welt politisch. Wir sollen unsere Verbindung mit der Materie wiederentdecken. Das Internet hat unsere Verbindung zur Welt kaputt gemacht, wie Ingvild schreibt, und es ist diese Verbindung, die sie in ihren Gedichten untersucht. Es ist die kindliche, noch-nicht-zivilisierte Einstellung zur Welt, wie ein unbewusster Blick auf das Dasein, ein kindliches und physisches Verständnis der Wirklichkeit, erklärt sie: 

“Ein Kind versteht nicht unbedingt Die Situation, in der sie sind und mit der sie sich abfinden. Wenn das Kind größer wird, lernt es die Situationen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, und da entsteht die Erschöpfung, und diese kann groß sein!” 

Die Offenheit des Kindes und die nicht-bewusste Einstellung zur Welt wird in Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin? in einen Raum verwandelt, in den die Gesellschaft nicht eindringen kann, ein Raum in dem man sich selber vergisst und Kontakt zum eigenen Körper wieder findet, wie neugefickt und froh zu sein, wie Butterblumen zu pflücken und froh zu sein, wie das Kind, das man einmal war. 

Interview von Mikkel Andersen, Übersetzung Lars Bliesener

6. Juni 2018

Literarisches Sixpack mit Ingvild Lothe

Unsere Freunde bei Blog Bohème haben Ingvild Lothe nach ihrem Literarisches Sixpack gefragt. Lies hier warum u.A. Anne Carson, Colette und Unica Zürn unter ihren Favoriten sind.

Hier lesen

5. Juni 2018

„Es ist OK, die Welt für eine Weile zu vergessen“

Wir brauchen neue Lösungen für die Zukunft der Welt. Soziale, politische und ökologische Lösungen. Das ist schon seit langem klar. Und seit noch längerem ein Thema, das öfters in der Literatur des Nordens aufgenommen und bearbeitet wird. Nicht zuletzt in GOLD von Victor Boy Lindholm, wo das Ich die Schwierigkeit erlebt, eine Balanze zwischen, was er will und und was gut ist, zu finden. Oder: Wie man damit klarkommt, dass man die Welt nicht retten kann, und immer noch Partys, Cluburlaube und ein iPhone will, während die Welt vor seinen Augen brennt. Es gibt keine easy Lösungen, und GOLD wird auch nicht dein schlechtes Gewisse erleichtern. Vielleicht aber, bietet es etwas anderes: Eine Art Trost, durch jemanden der dich versteht und keine weiteren Fragen stellt. Aber auch eine Empörung über eine Welt, die sich 100% in die falsche Richtung bewegt. Wir haben Victor gefragt, wie politisch sein Debüt eigentlich ist, und welche Rolle die Kunst in der Politik spielen könnte oder eben nicht mehr spielen darf.

GOLD schreibt sich in der modernen Kritik der rechtsradikalen Bewegungen in Europa hinein, besonders personifiziert in dem dänischen Politiker Morten Messerschmidt. Ist alle Literatur politisch?

Literatur ist eine andere Sprache als das Politische, und genau deswegen muss die Literatur Teil der Welt sein. Man hat eine merkwürdige Vorstellung von Literatur, wenn man denkt, dass sie nicht, in irgendeiner
Art und Weise, von der Ordnung der Dinge handelt. Alle Literatur handelt von der Welt und ist auf diese Art politisch. Aber man darf Politik hier nicht als einen administrativen Begriff, sondern eher als eine Sicht auf die Welt betrachten. Blickwinkel, Stil und Stimmen eines Textes sind immer politisch, durch diese Fragen, die man dem Text stellen kann: Von wo aus wird erzählt? Wie repräsentieren die Sprache und damit der Stil den Inhalt? Und wer hat das Recht im Text zu sprechen? Deswegen ist die Diskussion über eine nicht-politische Literatur trivial. Wenn Literatur weltfremd ist, ist das eine politische Handlung, genau wie die Isolation eines Mönches von der Welt. Ein Rückzug von der Welt ist immer eine politische Handlung.

Im Buch werden mehrere politische Positionen bezogen, nicht nur  gegen den Rechtspopulismus, sondern auch als Kritik am modernen Leben und daran, dass das Klimaproblem ignoriert oder geleugnet wird. Wie kann Kunst Politik beeinflussen?

Ich mache mich keine Illusionen davon, dass die Kunst länger Politikern beeinflussen kann. Es ist als ob, das Gespräch aufgehört hat; dass die Politiker nicht mehr Literatur als etwas betrachten, die die Welt beeinflusst; dass sie eher ein kurioser Fremdkörper ausmacht, die man vor sich in ausgestreckter Arm halten kann, um sie zu bewundern. Aber Menschen lesen immer noch. Das ist das Wichtige. Menschen sind immer noch empfänglich für die Literatur und die Gegensprache, die es gegenüber von der politische gibt.

Wird GOLD die Welt retten?

Genau deswegen kann auch GOLD nicht die Welt retten. Natürlich nicht. Aber man kann sich im heuchlerischen Ich spiegeln und verstehen, dass es OK ist, Angst zu haben und sich machtlos zu fühlen; dass es OK ist, die Welt für eine Weile zu vergessen und in einem leckeren Getränk zu verschwinden. Das ist nicht das Richtige oder das Gute zu tun, aber es kann eine Überlebungsstrategie sein, fuck it zu schreien und feiern gehen.

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